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Zulieferer und Hersteller: Verschobene Machtverhältnisse?

Automotive Zulieferer Hersteller

Hersteller und Zulieferer arbeiten zusammen, sind voneinander abhängig. In letzter Zeit haben sich die Machtstrukturen hierbei allerdings verändert.

Machtverhältnisse im Fall Prevent und VW

Am Beispiel der Prevent-Gruppe und VW wird deutlich, welche Abhängigkeit zwischen dem Hersteller und den Zulieferern besteht bzw. wie sich diese Abhängigkeit verändert hat. Der Automobilzulieferer hat die Lieferung von Sitz- und Getriebeteilen gestoppt, wodurch die Produktionen in zahlreichen VW-Werken stillstanden. Daran sieht man, dass nicht nur die Hersteller in einer Machtposition sind, denn auch diese sind auf den Zulieferer angewiesen.

Dies trifft nicht nur die Automobilindustrie, sondern erstreckt sich auch über viele weitere Branchen, wie beispielsweise die Antriebstechnik oder den Maschinenbau. Aus diesem Grund zeigt sich, wie sich die Machtverhältnisse insgesamt verschoben haben. Die Hersteller sind von den Zulieferern abhängig, weshalb auf eine stets gute, faire und zuverlässige Zusammenarbeit geachtet werden sollte.
 

Betroffen sind nicht nur die Zulieferer

Die Abhängigkeit zwischen den Zulieferern und Herstellern ist ein großes Problem und kann im Extremfall zu solchen Zwischenfällen wie bei VW führen, sodass die Produktionen stillstehen. Dies trifft in erster Linie natürlich alle Zulieferer, aber auch immer häufiger sehen sich Zubehör-Händler, wie etwa ekugellager, betroffen.

Diese Entwicklungen zeigen, dass verstärkt auf die Zusammenarbeit geachtet werden muss. Es dürfen sich keine Monopolstellungen oder Machtausübungen ergeben, die der gesamten Branche schaden.
 

Experten sehen kein generelles Problem

Fachleute vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) und dem Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) sehen hierin kein generelles Problem. Für sie ist die Angelegenheit zwischen VW und der Prevent-Gruppe nicht repräsentativ. Geschadet habe die Situation aber auch den übrigen Zulieferern, welche ihre Waren wiederum nicht liefern konnten.

Darin zeigen sich nicht nur die Abhängigkeit, sondern auch die Wechselwirkungen der einzelnen Zulieferer und Hersteller. Einige Experten finden es verwunderlich, dass sich Zulieferer gegen die großen Hersteller auflehnen. Das liegt vor allem daran, dass diese befürchten müssen, später ohne Aufträge dazustehen.
 

Zulieferer-Gruppen haben gewisse Machtstellung

Dass die Zulieferer nicht immer klein sind, zeigt die Prevent-Gruppe. Immer mehr kleinere Zulieferer schließen sich einem Verbund an und profitieren dann von der Gemeinschaft. Das betrifft nicht nur den Kfz- bzw. Fahrzeugbau, sondern jegliche Branchen, in denen sich die Zulieferer zu einer Gruppe zusammenschließen.

Als Beispiel ist hier unter anderem die Bosch-Gruppe zu nennen, doch auch andere große Zulieferer wie Continental, ZF oder SKF habe eine gewisse Stellung und können dadurch auch Forderungen an die Hersteller stellen. Diese Entwicklung ist neu und führt dazu, dass Fälle wie die zwischen der Prevent-Gruppe und VW entstehen.
 

Fazit: Was bedeutet der Fall für das Verhältnis zwischen Zulieferer und Hersteller?
Anhand von Prevent und VW sieht man, dass die Hersteller keinesfalls am längeren Hebel sitzen und die Forderungen der Zulieferer einfach übergehen können. Es ist, wenn vielleicht auch nur ein Einzelfall, immer häufiger zu beobachten, welche Macht den Zulieferern – besonders den Gruppen – zusteht und genutzt wird. Es wird deshalb immer wichtiger, dass sich Hersteller und Zulieferer zusammen an einen Tisch setzen und über die Strategien und Vorgehensweisen beraten, damit eine Arbeit auf Augenhöhe angestrebt werden kann.

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